Warum Frauen sich nicht für ihre Periode schämen sollten

Warum Frauen sich nicht für ihre Periode schämen sollten

<<Papa, ich hab meine Taaaage>>. Wie oft ist dieser Satz schonmal gefallen. Ich bezweifle das Töchter ihren Vätern ,,so etwas„ erzählen, und wenn dann mit viel Überwindungskraft. Aber eigentlich doch lieber gar nicht. Mag schon sein, dass es Ausnahmen gibt und manchen Töchtern ihren Vätern ganz entspannt erzählen, was da unten eigentlich vor sich geht und wie sie sich dabei fühlen. Bei mir war es anders. Bei meinen Freundinnen auch. Ich habe meinem Vater nichts erzählt als ich das erste Mal meine Periode bekam.

Warum nicht?

Es war mir peinlich. Es war mir unangenehm meinem Vater zu berichten, was nun mal so gut wie alle Frauen auf dieser Welt erleben oder erlebt haben.Die Menstruation zu haben, ist natürlicher als sich die Haare zu färben oder zu Popmusik zu tanzen, und trotzdem ist dieses Thema mit ganz viel Scham besetzt. Und der gilt natürlich nicht nur gegenüber Vätern.

Die Periode wird mit etwas Ekligen verbunden, etwas das man eher hintenrum bespricht, als laut und deutlich zu fragen, ,,Hat jemand ein Tampon? ´`. Selbstverständlich ist die Blutung etwas Intimes, aber längst nicht etwas, dass nur unter Frauen bleiben muss und auch nichts wofür man sich in irgendeiner weise schämen müsste. Immerhin haben Frauen dank ihrer Periode die Möglichkeit ein neues Leben auf die Welt zu bringen. Kein Grund also, sich zu schämen.

Wir tun manchmal so als wäre es illegal, seine Tage zu haben. Gespräche über ,,das Thema„ finden nicht laut und öffentlich statt, sondern eher Zuhause im Privaten. Ich erinnere mich noch an Einkäufe im Drogeriemarkt, bei denen bloß keiner meine dicken Binden sehen sollte, oder an den Gang zur Toilette mit geballter Faust. Nicht um Drogen zu verstecken, sondern um ein kleines harmloses Tampon unsichtbar zu machen. Genauso unsichtbar wie Flecken in der Hose, das Bedürfnis nach Austausch oder selbst mitleidend im Bett zu liegen.

Unsere Periode mag uns Wundervolles ermöglichen und dennoch ist sie eine ledige Begleiterin. Schmerz und Frust gehen mit der Periode einher. 2615 Frauen wurden von der erbeerwoche* befagt, ob sie unter Menstruationsbeschwerden litten und 98% beantworteten diese Frage mit ja.

Warum es also wichtig ist, dass diesem Thema der Scham genommen wird?

( Apropos Schambekämpfung, beschönigende Wörtern wie  die Erbeerwoche  tragen nicht gerade zu mehr Offenheit gegenüber der Menstruation bei. Dasselbe gilt  übrigens auch für Tampon oder Binden Werbung, in denen das Blut blau ist. Was zur Hölle?! Schon mal jemanden blau bluten sehen?)

Offenheit und Schamlosigkeit sind wichtig, weil viele Frauen auf Grund ihrer Menstruation im Alltag eingeschränkt sein können und dies nicht Mals öffentlich zur Kenntnis tun, da die Periode  etwas ist, dass unter den Tisch gefegt wird. Die Mehrheit der Frauen leidet unter starken Rückenschmerzen, Unterleibschmerzen und Abgeschlagenheit. Aus dem University College aus London * heißt es die Schmerzen während der Periode können sich so schlimm anfühlen wie ein Herzinfarkt.

Das muss sich Mann erstmal vorstellen, mindestens einmal im Monat durch eine Palette voller Schmerzen zu gehen. Bis heute werden diese Schmerzen nicht genug ,,anerkannt„. Krankschreibungen auf Grund von Regelschmerzen scheinen noch denkbar unmöglich.

Eine Enttabuisierung ist insbesondere so wichtig, weil es keinen einzigen Grund gibt, wieso die Periode nicht thematisiert und beschämt werden sollte. Das Bedürfnis mitzuteilen, warum es einem gerade schlecht geht, sollte nicht unbefriedigt im Raum stehen gelassen werden, und das ständige Versteckspiel vor der Tamponpackung oder den Blutflecken ist anstrengend und nervig. Und es ist wahnsinnig unnötig!

Was fehlt?

Im Kleinen fehlen Tampons und Binden auf öffentlichen Toiletten, weil sie für Frauen wie das Klopapier dazu gehören. Auf der Mesoebene könnten Unternehmen Frauen, die möchten, während ihrer Periode von Zuhause aus arbeiten lassen*(siehe Artikel). Wenn das schwer geht, dann könnte entsprechend für Wärmeflaschen und Wärmpflaster gesorgt sein. Gesamtgesellschaftlich ist klar, wir müssen über die PERIODE reden. Offen, schamlos und frei. Das Thema benötigt mehr Aufmerksamkeit und eine Enttabuisierung. Die Periode ist nichts Ekliges und es gibt keinen Grund mit seinem Vater, seinen Kollegen und auch anderen Frauen nicht drüber zu sprechen. Also let´s talk about… Periode.

 

 

 

***

erdbeerwoche-Menstruations-Umfrage

Period pain can be “almost as bad as a heart attack.” Why aren’t we researching how to treat it? — Quartz (qz.com)

Kristel de Groot im Interview über Menstruationsurlaub – SZ Magazin (sueddeutsche.de)



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