Großstadtboom- was zieht die Menschen in die Städte

Großstadtboom- was zieht die Menschen in die Städte

Großstadtfieber

Es herrscht derzeit ein regelrechter Großstadtboom. Die Menschen wollen in die Städte. Egal ob alt oder jung. Großstadtflair ist angesagt. Dies bleibt nicht ohne Folgen, denn wie wir alle feststellen, sprießen die Preise derart in die Höhe, dass eine Einzimmerwohnung in München beispielsweise gerne einmal 900 Euro kostet. Als Normalo einfach zu viel.

Es ist wirklich eine Frechheit, dass bei einer sowieso schon vorhandenen Wohnungsknappheit nur viel zu teure Luxusbuden gebaut werden. Wer kann sich das schon leisten? Ein staatlicher Wohnungsbau wäre hier wohl eine Überlegung wert. Zumal gehört die Mehrheit der Menschen nicht zur Oberschicht 1 an. Der Schlüssel passt also nicht zum Schloss oder einfach Angebot passt nicht auf Nachfrage.

Nicht nur die reichsten würden gerne in der Stadt wohnen. Jede Gehaltsklasse wünscht sich eine bezahlbare Stadtwohnung. Die Grundstückbesitzer können die Preise, bei auszureichender Nachfrage, natürlich in die Höhe sprießen lassen. Es ist auch nicht verwerflich, dass sie dies tun. Den maximalen Profit zu erzielen, ist kein Grund jemanden anzuprangern. Nicht in unserer Gesellschaft. Wer nimmt die Hälfte, wenn er 100% haben kann? Dagegen ist es doch Aufgabe eines Staates, der für jeden Bürger sorgen sollte, nicht nur für die stärksten, zu sorgen, dass alle Menschen vernünftig unterkommen und versorgt sind. Ansonsten fühlen sich viele Menschen ungerecht behandelt und wie ein Mensch zweiter Klasse.

Warum zieht es die Leute eigentlich so sehr in die Großstadt?

Die Großstadt ist der Dreh und Angelpunkt. Ob beruflich oder privat. Alles und jeder spielt sich dort ab. Es ist der Rausch des Seins, das unter Leuten sein und feiern, doch trotzdem anonym bleiben. Alles in der Nähe haben und keine einengenden Nachbarschaftsbeziehungen und spießige Vorgärten. Die Anonymität der Großstadt befreit viele Leute von dem Gedanken sie wären den Urteilen und Einschränkungen der Mitmenschen ausgesetzt. Das höchste aller Gefühle ist ein ´´Hallo„ an die Nachbarn. Mehr will man auch eigentlich nicht wissen. Wenn man überhaupt weiß, wer sein Nachbar ist.

Es ist schon verrückt, dass wir mit Menschen, die wir nicht kennen im selben Haus leben. Wer weiß, wer oder wie dein Nachbar wirklich ist. Für die meisten ist es ganz angenehm nichts von seinem Nachbarn zu wissen. Kein lästiger Smalltalk, keine Verpflichtungen. Auf Grund der Anonymität können wir im Grunde tun und lassen, was wir wollen ohne uns rechtfertigen zu müssen.

Freiheit, ein wichtiger Wert

Die Suche nach der Freiheit zieht uns also in die Städte. Freiheit ist für die Mehrheit der deutschen ein sehr bedeutsamer Wert 2. Der Freiheitsbegriff lässt sich vielfältig definieren. Eine Definition könnte lauten: ,, Freiheit bedeutet seine Meinung frei äußern zu dürfen und dafür nicht verurteilt oder bestraft zu werden„. Die Großstadt scheint für die meisten dieses Kriterium zu erfüllen. Fast ironisch, dass wir uns unter so vielen Menschen frei fühlen. Der Vorteil, wir kennen die Menschen nicht und Urteile fremder Menschen tangieren uns nicht so stark wie das Urteil der besten Freundin.

,,Stadtluft macht frei„3, heißt es schon im Mittelalter. Ein Getümmel tausender Menschen, die alle nach etwas unterschiedlichen Suchen und doch irgendwie gleich sind. Alle aus einer Stadt und trotzdem begegnet man jeden Tag vielen unbekannten  Menschen, die alle dieselben Straßen und Cafés kennen. Die Großstadt reflektiert ebenso einen Ausdruck unserer Ichbezogenheit. Wir sind in der Großstadt, weil wir alles machen können, was wir wollen. Hier ist alles für uns ausgelegt.

Ist das Dorfleben noch attraktiv?

Das Dorfleben mit seinen Einschränkungen nimmt für den modernen Mensch keinen bedeutsamen Stellenwert mehr ein. Es ist zu einengend, spießig und durchdacht. Wir wollen nicht fern ab sein, sondern mittendrin. Ewiges überlegen, was wir noch zum  Einkaufen benötigen nervt. Wir wollen alles in unmittelbarer Nähe haben und das ständig. Wir sind bequemer geworden, aber in Ruhe durchatmen ist nicht mehr, stattdessen brauchen wir nach dem stressigen Arbeitstag noch einen Spaziergang durch die volle Stadt.

Und wir können viele neue Leute kennenlernen. Lockerer und ungebundener. Anstatt einen festen Freundeskreis zu haben, ist es uns möglich immer wieder neuen frischen Gesichtern zu begegnen. Nicht nur bei Vorträgen wird die Konzentration schlechter, auch sonst benötigen wir viel mehr Abwechslung und weniger Fokus.

Das Ursprüngliche geht verloren

Bei all dem Großstadttrara entfremden wir uns jedoch mehr und mehr von der Natur, von unserem Ursprünglichen. In der Natur überleben wäre für die Mehrheit denkbar unmöglich. Im Urlaub sehnen sich die meisten zwar nach einem ruhigeren Ort. Etwas ursprünglicheren. So kann für die Menschen, die in der Stadt leben, die Stadt selbst als ein Ort der Hektik und des Stresses sein.

Alles ständig verfügbar zu haben, kann auch abstoßend wirken und unzufrieden machen. Die Großstadt hat neben ihren Vorzügen auch einige Nachteile zu bieten.  Die räumliche Einschränkung ist einer davon. Alles ist räumlich vorherbestimmt. Du hast deinen Platz und den darfst du nicht überschreiten. Freiraum ist nur begrenzt verfügbar. Vor die Tür gehen und grüne Wiesen vor sich zu haben, gibt es im riesen Taubenkäfig nicht.

Wir entfremden uns also einerseits von unserem ursprünglichen Ich 4 und andererseits blühen wir auf, denn im Gegensatz zum Dorfleben wirst du als Individuum viel weniger wahrgenommen und kannst Urteilen entweichen.

Blick in die Zukunft

Wollen in Zukunft noch mehr Menschen, in die Städte ziehen, bekommen wir ein echtes Problem. Der Platz reicht nicht, die Immobilien werden teurer und es muss angebaut werden. Auf Grund des Platzmangels schießen die Häuser in die Höhe. Das sieht nicht nur leidig aus, sondern entfremdet uns noch weiter von der Natur. Wer weiß, vielleicht erleben wir in Zukunft noch mal ein Rückwertstrend und die Menschen sehnen sich wieder nach dem Landleben. Die achtziger sind zumindest Klamottentechnisch auch wieder im Trend.

Alfred Wolfenstein 5

Städter

Dicht wie Löcher eines Siebes stehn

Fenster beieinander, drängend fassen

Häuser sich so dicht an, dass die Straßen

Grau geschwollen wie Gewürgte sehn.

Ineinander dicht hineingehakt

Sitzen in den Trams die zwei Fassaden,

Leute, ihre nahen Blicke baden

Ineinander, ohne Scheu befragt.

Unsere Wände sind so dünn wie Haut,

Dass ein jeder teilnimmt, wenn ich weine.

Unser Flüstern, Denken… wird Gegröle…

– Und wie still in dick verschlossener Höhle

Ganz unangerührt und ungeschaut

Steht ein jeder fern und fühlt: alleine

 

Quellen:

1)https://www.welt.de/finanzen/immobilien/article190393523/Wohnkosten-Mieten-steigen-fast-doppelt-so-schnell-wie-Einkommen.html

2) https://www.kantartns.de/presse/presseinformation.asp?prID=3706

3)https://www.evolution-mensch.de/thema/arten/erectus.php

4)https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/soziale-politische-bildung/stadtgeschichte-urbanisierung-stadt-als-chance-100.html

5)https://lyrik.antikoerperchen.de/alfred-wolfenstein-staedter,textbearbeitung,117.html



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Erwin
Erwin
2 Monate zuvor

Super Beitrag!!!

Maja Harne
Maja Harne
2 Monate zuvor

Manchmal wünsche ich mir auf denn Dorf zu leben. In der Großstadt ist aber nun mal alles wichtige! Toller Post👍🏼