Erst das Äußere, dann der Rest !

Erst das Äußere, dann der Rest !

Verändertes Aussehen

Selbstverständlich sehen wir heute nicht mehr aus wie früher. Alle paar Jahre oder besser gesagt alle paar Monate holen uns neue Trends ein. In einer Zeit, in der die Augenbrauen vieler junger Leute inspiriert von ,,Eddings´´ sind und selbst die alten Opis in Sneakers rum laufen, scheint es normal zu sein, dass Jungs in Kleidern rum laufen und Mädchen in weiten Männershirts. Wir haben eine ziemlich große Freiheit, was die Modewelt angeht, und das ist auch gut so.

Es spielt keine Rolle, welches Geschlecht du hast oder wie alt du bist. Jeder kann sich kleiden wie er will und muss keine Sorge vor Strafen haben. Merkwürdige Blicke gibt es zwar immer noch, doch besonders in Großstädten fällt selbst der ausgefallenste Look kaum aus. Noch nie konnten sich Menschen so frei, zumindest äußerlich, entfalten wie heute. Naja, in den westlicheren Ländern. Besonders alte Trends finden wieder ihre neue Blüte. Und das Aussehen ist wichtiger denn je.

Das Aussehen trägt heutzutage eine immens wichtige Rolle, ob beim Bewerbungsgespräch oder im Freundeskreis. Umso verständlicher ist es, dass wir uns ständig damit beschäftigen. Die meisten Freundesgruppen sehen sich äußerst ähnlich. Gleich und gleich versteht sich besser, doch auch im Beruf ist das Äußere nicht gleichgültig. Nicht nur gepflegt sollte man aussehen, sondern auch attraktiv. Aua !, wenn man nicht angenommen wird.

Wer beispielsweise einmal im Modegeschäft Abercrombie war, stellt fest, dass ausschließlich ,,Hübschlinge„ dort arbeiten. Oberflächlicher geht es nicht, oder? Auf Grund des anwachsenden Drucks der Gesellschaft bemängeln wir immer mehr an uns. Wenn selbst im Beruf die Attraktivität eine wichtige Rolle spielt, dann nimmt das Äußere in unsrem Alltag einen viel größeren Stellenwert ein.

Trotz der einerseits Diversität und Kreativität der Looks, stellt man ebenfalls fest, dass sehr viele Menschen sich sehr ähnlich sehen. Um nicht zu sagen, sie sehen aus wie Geschwister. In der Stadt sichtet man immer mehr, besonders junge Leute, die nicht nur fast dieselben Klamotten tragen, sondern auch die gleiche Haarlänge, Haarfarbe und selbst das Gesicht sieht gleich aus. Das liegt wohl an dem Makeup. Besonders im Trend: der unnatürliche Look. Die Augenbrauen zu dick anzumalen, unter den Augen zu hell zu sein und dem Gesicht sehr markante Konturen geben.

Irgendwie trostlos, die fehlende Individualität zu sehen. Doch auch dieser Trend des Gleichaussehens wird wieder vorbei gehen. Im aktuellsten Zeitpunkt glauben wir immer den modernsten und tollsten Stil zu haben und rückblickend können wir uns nur die Hände vor das Gesicht schlagen.

Social Media

Social Media drückt beim Aussehens Wahn meist nochmal auf die Wunde drauf. Wir vergleichen uns mit anderen und machen uns schlecht. Zu dick, zu dünn oder zu groß, aber nie sind wir genau richtig. Fragt man Menschen auf der Straße nach ihrem Aussehen, fällt ihn sofort etwas Negatives über sich ein. Es scheint fast so, als wäre es vielen Menschen unangenehm mitzuteilen, was sie schön an sich finden.

Von allen Seiten werden wir mit Idealen bestrahlt. GNTM oder Victoria Secret Models Instagram Kanäle prägen die Ideale dieser Zeit. Durch Bearbeitungsprogramme und Filter werden die eigenen Problemstellen bearbeitet. Die Fotos haben dann nur noch wenig mit der Realität zu tun. Viele trauen sich also nicht ihr wahres Aussehen zu zeigen und halten Imaginationen, wie eine porenfreie Haut, für realistisch. In der Realität gehören nun mal Cellulite und ein Bäuchlein dazu. Wir sollten das Wort ,,Problemstellte´´ streichen und ,,normal´´ draus machen.

Es gibt Hoffnung. Eine Welle eines neuen Körperbewusstseins bricht heran. Curvy Models liegen jetzt voll im Trend. Dellen und Makel im Internet zeigen, wird nun zunehmend gewöhnlicher. Keiner muss sich mehr für seinen Körper schämen. Die goldene Mitte macht es, denn weder zu dick noch zu dünn ist gesund.

Der Vergleich

Besonders schlimm, ist das Vergleichen mit anderen Menschen. Das Fatale, wir werden niemals so aussehen, wie die andere Person. Anstatt sich also anzupassen und die eigenen angeblichen Fehler zu verurteilen, sollten wir uns selbst so annehmen wie wir sind. Leichter gesagt als getan, aber Vorbilder wie das Albino Model Shaun Ross machen es vor. Sie machen aus ihren vermeintlichen Schwächen Stärken.

Jedenfalls sind Operationen und Spritzen meiner Meinung nach keine Lösung für ein besseres Selbstwertgefühl. Auf kurze Sicht fühlt man sich vielleicht besser, doch tief in einem steckt immer noch immer die Ablehnung des eigentlichen Ichs. Immer mehr Leute lassen sich unter das Messer legen. Dabei sehen die aufgequollenen starren Gesichter alle gleich aus. Viele meinen sie könnten ihr Alter mit einem Eingriff aufhalten. Sie wollen ,,bloß nicht alt werden´´ und schon gar nicht so aussehen. Eine Falte auf der Stirn wäre der Untergang.

Schade, denn wir sind doch  genau so richtig wie wir sind. Das alt werden weist doch nur eine Form von Reife und Weisheit auf. Und auch an Kinder, die mit Botox-Mamis aufwachsen, wird eine falsche Nachricht übermittelt. ,, Verändere dich, denn so wie du bist, bist du nicht richtig`´, lautet die Devise. Unsere Diversität macht uns schön. Wir müssen wieder lernen auf uns selbst zu hören und nicht auf das Sprachrohr der anderen. Würde uns unser Aussehen nur Ansatz Weise interessieren, wären wir nur von blinden Menschen umgeben?

Und noch etwas. Das Austragen von Marken hat noch kein Ende genommen. Ob auf den Taschen oder Gürteln, die Markenlogos stehen fett oben drauf. Als würden die Marken eine Superkraft beinhalten. Das offensichtliche Tragen von Marken ist für mich ein prahlerisches Statussymbol. Den Markenwahn ist mir unbegreiflich. Warum gibt man ungeheure Summen für einen Gürtel aus, der nur schreit ,, Schaut her, wie viel Geld ich habe„. Die Bescheidenheit von früher ist definitiv zurückgegangen. Heute habe ich das Gefühl muss jeder zeigen, was er hat, und es reicht nicht mehr seinen Status für sich zu behalten.

Vorurteile

Vorurteile sind kein neues Phänomenon, doch sie sind aktuell wie nie. Das urteilen fällt uns heute nun mal leichter, denn uns wird mehr angeboten. Menschen kleiden sich auf unterschiedlichste Weiße und sehr vielfältig, daher haben wir mehr Bandbreite zum Kritisieren und anprangern. Die blonde Markentussi ist gleich dumm und der Mann, der Nagellack trägt, ist schwul. So modern wie wir sind, sollten wir aufhören einander falsch einzuschätzen und in Schubladen zu stecken.

Auf Grund des Äußeren zu urteilen ist wie den Inhalt eines Buches nach seinem Cover zu bewerten. Es macht keinen Sinn. Es ist nichts unnatürliches, jemanden zunächst nach seinem Aussehen zu bewerten, doch dieser Bewertungsmechanismus sollte nicht allzu viel Raum erhalten. Vielmehr könnte man beobachten: ,, Ich bewerte gerade jemanden auf Grund seines Äußeren und das lasse ich nicht weiter zu! „.

Egal ob uns der neuste Trend und die Looks der Leute auf den Straßen nun gefällt oder nicht, es ist positiv zu sehen, dass sich Menschen trauen auszuprobieren und sich dadurch entfalten können. Wir sollten noch weiterhin für mehr Toleranz und Gleichberechtigung sorgen, aber wir sind bereits auf einem guten Weg.

Ziel ist es doch, dass sich jeder so stylt, wie er sich fühlt, ohne sich dafür zu schämen. Das heißt Männer sollten, wenn sie Lust haben Schminke und Kleider tragen dürfen und Frauen dürfen ebenfalls alles tragen, worauf sie Lust haben. Sie dürfen einen großen Ausschnitt tragen ohne dafür verpönt zu werden oder eben keine Haut zeigen. Sie dürfen das, weil sie es entschieden haben.

mehr Toleranz

Gerade die schrille Modewelt kann ein gutes Zeichen für mehr Toleranz und Gleichberechtigung setzen. Nichtsdestotrotz sollte das Äußere nicht überproportional viel Wert erhalten. Wenn wir uns als unschön empfinden, dann fühlen wir uns auch so über unser Aussehen hinaus. Die eigenen Gedanken drehen sich so viel um das Äußere, so dass der Rest gerne einmal vernachlässigt wird. Kaum zu glauben, wie viele Gedanken wir uns um eine Hülle machen. Alleine das man sagt ,, schöne Menschen sind erfolgreicher„, zeigt wie sehr wir auf das Aussehen gedrillt sind. Dies ist nicht nur ungerecht, sondern auch diskriminierend. Das Aussehen sagt nichts über den Inhalt eines Lebewesens aus.

Selbstliebe

Wer kennt es nicht ,,wenn ich die und die Figur habe, werde ich mich wieder gut fühlen„. Das ist ein riesen Quatsch, denn sobald wir ein Makel überwunden haben, suchen wir uns das Nächste. Man sollte also versuchen mit sich zufrieden zu sein und trotzdem kann man, wenn dringend erwünscht, seine Ziele umsetzen. So oft habe ich gedacht, wenn ich lange Haare hab oder keine Pickel mehr, werde ich mich mehr annehmen und nichts davon ist geschehen.

Jetzt akzeptiere ich mich und bin zufrieden mit meinen Makeln. Sie stören mich gar nicht mehr. Irgendwann kommt der Augenblick, an dem man denkt, dass diese ganzen Gedanken ums Aussehen sowas von energieverschwendend und mühselig sind, denn das Aussehen hängt so unglaublich wenig mit mir selbst, meinem Charakter, zusammen.



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Anna Peter
Anna Peter
2 Monate zuvor

👌🏻👌🏻😘